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Fantasievoller Abend in der Wendelinskapelle

Wer hat schon mal Harfe außerhalb des klassischen Bereichs gehört? Zusammen mit verschiedenen Percussionsinstrumenten? Das Duo POCO PIU mit Cordula Poos und Markus Reich gestaltete vergangenen Samstag ein äußerst fantasievolles Konzert innerhalb der Künstlerkonzertreihe der Musikschule Butzbach in der Wendelinskapelle. Mit zwei Ausnahmen standen eigene Kompositionen bzw. Improvisationen auf dem Programm zu deren Entstehung beide Künstler auch in plaudernder Atmosphäre entspannend informierten.

So stellten sie sich in „Völkerfreundschaft“ diese im Kleinen vor, zwischen Ameise und Käfer. In „Wo gehst Du hin, ich hab Dich gesehen“ wurden die vielen wechselnden Gefühle einer zurückgelassenen Person beschrieben – Wut, Trauer, Resignation, Hoffnung auf etwas Neues. Und in „Vogel Glück“ sinnierten beide musikalischen über die verschiedenen Möglichkeiten von Glücksempfinden. An nur diesen drei genannten Themen merkt man schon, dass die Ausdrucksmöglichkeiten beider Künstler enorm waren. Die wenigsten Stücke waren rein instrumental, denn Cordula Poos sang. Und sie sang mit einer direkten und doch weichen Stimme. Mit einer starken und modulationsfähigen Stimme, welche jegliche der oben beschriebenen Gefühle intensiv ausdrückte. Mit einer klangvollen Tiefe, die die Zuhörer in ihren Bann zog. Dazu ihr Harfenspiel, welches gleichzeitig virtuos dominieren konnte wie auch zurückhaltend geheimnisvolle Klänge entwarf. Und Markus Reich, Leiter des Erwachsenen-Percussionsensembles der Musikschule,  eindrücklich zu hören mit vielen verschiedenen Instrumenten wie Udu, einem nigerianischen Schlaginstrument aus Ton. Wie das mit Wasser gefüllte und mit einem Bogen zum Klingen zu bringende Waterphone. Wie eine Cajon, das sogenannte Schlagzeug in der Kiste. Einige Songs unterlegte er mit den dudelsackähnlichen Borduntönen der durch einen Blasebalg zum Klingen gebrachten Shrutibox aus Indien. Und im Mittelpunkt seines einfühlsamen Spiels standen verschiedene Handpans. Für sein Solostück „Zeittraum“ stellte er diese neuen Instrumente gesondert vor. Erfunden 2000 in der Schweiz, aussehend wie zwei mit dem Topfrand aneinander geschweißte Woks mit Dellen auf beiden Seiten, werden diese Instrumente nicht nur rhythmisch, sondern auch melodisch und harmonisch eingesetzt. Denn diese „Dellen“ sind stimmbare Klangfelder und enthalten auf der Unterseite ebenso Basstöne wie Diskanttöne auf der Oberseite.

In Cordula Poos Solo stellte sie sich „1000 Fragen“ in dem so betitelten Song, der beim Abwarten von Regen unter einer Autobahnbrücke an dem Gießener Fluss Wiseck entstand.

Bei „Schnee“ handelte es sich stilistisch um Hip Hop, in dem Cordula Poos mit dem Text „Ich mach Dich fertig – Du machst mich fertig“ ihre Wut auf jemanden artikulierte, wirkungsvoll eingeleitet von Markus Reich mit einem noch nicht genannten Instrument, dem Blech.

Das rundherum abwechslungsreiche Konzert erhielt viel Applaus, eine Zugabe ebenfalls aus der Feder der beiden Künstler und einige Interessierte, die anschließend viele Fragen zu den verschiedenartigen Percussionsinstrumenten stellten.