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Lehrerkonzert | Vier verschiedene Stilrichtungen in einem Konzert

Die Musikschule Butzbach veranstaltete ihr diesjähriges Lehrerkonzert in der Wendelinskapelle mit Werken in vier verschiedenen Stilrichtungen. Schön chronologisch stand zuerst die vom Komponisten Ludwig van Beethoven selbst mit dem Beinamen „Pathétique“ versehene Klaviersonate in c-moll auf dem Programm. Man geht davon aus, dass Beethoven bei ihrer Entstehung die ersten Anzeichen seiner beginnenden Taubheit verspürte und sich mit der Musik gegen sein Schicksal auflehnen wollte. Anders als in seinen vorhergehenden sieben Klaviersonaten ist hier die Intensität des Ausdrucks und der Klangballung gesteigert. Extreme Kontraste gibt es beispielsweise von hohen und tiefen Lagen, Lautstärke oder Tempo. Und genau dies setzte der Pianist Viktor Urvalov auch überzeugend um. Majestätisch spielte er die mit Grave - also schwer, eine sehr langsame Tempoangabe - bezeichnete Einleitung. Virtuos das Allegro di molto e con brio im spritzigen ersten Satz, immer wieder überzeugend der Tempowechsel für das von Beethoven zwischendurch erneut zitierte Grave. Den zweiten Satz, ein Adagio cantabile mit einer wunderschönen Melodie, spielte er berührend und intensiv. Und im Rondo Allegro des dritten Satzes überzeugte er mit seiner deutlichen Herausarbeitung der verschiedenen Themen.

Claude Debussy, der 1910 seine erste Sammlung von Préludes herausgab, stellte der Pianist Alexander Urvalov vor. Zuerst zitierte er den Komponisten, welcher sich wiederholt gegen den Begriff „Impressionismus“ für seine Musik gewehrt und erklärte hatte: „ Meine Musik ist keine direkte Nachahmung, sondern seelische Übertragung dessen, was in der Natur nicht sichtbar ist.“. Das von Alexander Urvalov zuerst gespielte Prélude „La cathedrale engloutie“ – Die versunkene Kathedrale – hat eine bretonische Legende zum Ursprung. Zur hellen Morgenstunde, wenn das Meer durchsichtig ist, erhebt sich die Kathedrale Ys aus den Tiefen der Zeit und des Ozeans. Ihre Glocken läuten und man hört heilige Gesänge, bevor die Wellen sie wieder verdecken. Den Anfang des Préludes gestaltete der Pianist äußerst zart, man hörte die sanfte Meeresbewegung, die Steigerung beim Auftauchen der Kathedrale und dann besonders klangvoll das Glockengeläut bis hin zur einfühlsamen Wiederherstellung des glatten Meerespiegels.

Das zweite Stück trug den Namen Minstrels, abgeleitet von einer Bezeichnung für mittelalterliche Spielleute. Hier nur war die musikalische Atmosphäre humoristisch. Man hörte das Stampfen von Schuhsohlen, das Pfeifen von Liedchen, die Durchführung von unglaublichen Kunststückchen.

Auch wenn Debussy den Begriff Impressionismus für seine Musik nicht schätzte, so hat es doch Alexander Urvalov verstanden, die Inhalte beider Préludes auf dem Flügel beeindruckend plastisch darzustellen, eben mit Musik zu malen.

Bedachtsamer wurde es dann mit dem Cellisten Michael Ernst und dem Pianisten Georg Klemp. Sie hatten sich für die zweite Cellosonate von Mieczyslaw Weinberg entschieden und schon dessen Leben macht deutlich, dass seine Musik aus einem anderen Hintergrund heraus gehört werden muss. Der Komponist war polnischer Jude und musste 20jährig mit seiner Schwester vor den Nazis fliehen, als diese 1939 Polen überfielen. Aufgrund einer Fußverletzung kehrte die Schwester zurück und überlebte wie der Rest von Weinbergs Familie die Gräueltaten nicht. In der Sowjetunion dann konnte er Musik studieren, musste aber weiter nach Osten fliehen aufgrund des Nachrückens der deutschen Soldaten.

In vielen seiner Werke setzte der hier eher unbekannte Weinberg sich mit dem Thema Krieg und Faschismus auseinander, sein bekanntestes Werk ist die Oper „Die Passagierin“. Auch wenn der Komponist sich traditioneller musikalischer Mittel bedient, so spricht er doch eine moderne Musiksprache. Seine zweite Cellosonate hat einen düsteren Charakter mit großen emotionalen dissonanten Ausbrüchen. Im ersten marschähnlichen Satz setzten die beiden Künstler die von der Komposition geforderte Verbindung von zwei eigentlich solistisch gestalteten Stimmen mit erstklassigem Zusammenspiel um. Auch die Stimmung im zweiten Satz mit einem oft vibratolosen, sehr leisen und zusätzlich noch gedämpften Klang gelang hervorragend, ebenso wie das düstere Pochen abwechselnd in beiden Stimmen und meist gezupft im Cello. Den mit Rondo bezeichneten dritten Satz spielten Michael Ernst und Georg Klemp dann sehr expressiv, rhythmisch drängend und insistierend mit einer tollen musikalischen Steigerung zum Ende hin.

Zum Abschluss interpretierte die Akkordeonistin Petra Jehle den „Tango pour Claude“ von Richard Galliano. Der 1950 geborene Komponist war eng befreundet mit dem französischen Chansonnier und Liederkomponisten Claude Nougaro. Aus ihrer engen Zusammenarbeit entstanden viele Lieder, welche heute zum Erbe der französischen Musik gehören. Diesen Konzerttango, der in einigen Teilen an Werke von Astor Piazzolla erinnerte, gestaltete Petra Jehle überzeugend abwechslungsreich. Konzerttango eben deshalb, weil man danach nicht wirklich tanzen kann, zu unterschiedlich und aussagekräftig ist die darin vereinte Musik. Petra Jehle arbeitete die mitreißenden Stellen gut heraus und gestaltete die verhaltenen Abschnitte musikalisch sehr feinfühlig.

Die Künstler und Künstlerinnen jedes einzelnen Programmpunktes wurden mit viel Applaus durch die zufriedenen Zuhörer gefeiert.