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Von Vielem Etwas – Abwechslungsreiches Lehrerkonzert der Musikschule Butzbach

Schlechtes Wetter für den Katharinenmarkt bedeutet in der Regel guten Besuch für das Lehrerkonzert der Musikschule Butzbach. Und so war die Wendelinskapelle vergangenen Sonntag auch gut gefüllt für das abwechslungsreiche Konzert, welches schon seit vielen Jahren fester Bestandteil des Katharinenmarktes ist.

Zartes, feinfühliges Spiel stand am Anfang auf dem Programm. Lukas Pilgrim hatte eine 200 Jahre alte Gitarre dabei, welche gerade zwei Jahre älter war als die „Fantaisie villageoise“ des von 1778 bis 1839 lebenden Komponisten Fernado Sor. Die dreisätzige Fantasie kann man bereits als Programmmusik hören. Das beginnende Andante stellte das Landleben dar. Das folgende Rondo dann ein Fest mit Musik und ausgelassenem Tanz, in welchem die Dorfbewohner ihre einzelnen Charaktere offenbaren. Jedoch wird das Fest dann von Glockenschlägen unterbrochen, wie Lukas Pilgrim erzählte und diese auch anschaulich vorführte. Eingeladen ist somit zum Gebet, zu ruhigen Klängen, welche immer mal wieder von der aufzuckenden noch verbliebenen Tanzlust unterbrochen werden. Lukas Pilgrim setzte dies musikalisch so kunstfertig um, dass die Zuhörer der kleinen Geschichte gut folgen konnten.

Gegensätzlich dann die Sonate für Violoncello und Klavier in d-moll opus 40 von Dimitri Schostakowitsch. Mit allen vier Sätzen hatten Michael Ernst und Joachim Wagenhäuser die Gesamtwirkung des Werkes effektvoll zur Aufführung gebracht. Die Sonate, 1934 komponiert, fiel in eine wechselvolle Zeit für Schostakowitsch. Wurde doch seine der Sonate vorangehende Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ zwar vom Publikum, nicht jedoch von Josef Stalin gut aufgenommen. Letzter schrieb eine vernichtende Kritik dazu und so wurden Schostakowitsch´ Werke von da ab als Chaos anstatt als Musik angesehen. Er hatte in seiner Wohnung einen Koffer gepackt, da er täglich oder vermutlich eher jede Nacht damit rechnete, abgeholt zu werden. Nach diesen spannenden Informationen von Michael Ernst begann der erste Satz, der sich grob nach der Sonatenhauptsatzform richtet, mit einem intensiven ersten Thema, dem gegenüber – wie im Lehrplan – ein lyrisches zweites Thema stand mit dem prägenden Intervall der großen Sexte. Das zwischendurch immer wieder pochende Aufblitzen im Klavier bestimmt den Schluss des Satzes: Trockene, statische Töne von Joachim Wagenhäuser mit gedämpften zurückhaltenden Klängen im Cello. Eindrucksvoll, welche Spannung die beiden Künstler in und mit dieser Musik erzeugten. Das folgende Scherzo mit vielen Flageolett-Glissandi im Cello ließen die Musiker durch den Raum wirbeln und bereiteten damit den Boden für das anschließende sehr langsame Largo, welches zeitweilig seufzend von der kleinen Terz dominiert wurde, dem Komplementärintervall zur großen Sexte aus dem ersten Satz. Das Allegro am Ende dann wieder fließend und gleichzeitig von staccato in beiden Instrumenten geprägt, was ein sehr gutes Zusammenspiel erforderte. Keine Frage, dass Michael Ernst und Joachim Wagenhäuser das locker und selbstverständlich spielten.

In eine ganz andere Welt führte Markus Reich. Zuerst stellte er das Instrument Handpan vor: Es handelt sich dabei um ein in der Schweiz entwickeltes noch junges Instrument, welches direkt mit den Händen gespielt wird und aussieht wie ein asiatischer Wok. Mit ihm kann man sich sowohl melodisch als auch harmonisch und rhythmisch ausdrücken. Unter Einbezug des Raumes in der Kapelle spielte Markus Reich zwei Eigenkompositionen. In „Norbertamino“ geht es um zwei Freunde – guten Freude, wie Reich augenzwinkernd anmerkte – und es begann mit einem ruhigen Einstieg, gefolgt von rhythmischen aufwühlenderen Abschnitten, die von einer Bassdrum unterstützt wurden. Markus Reich hatte zwei Handpans dabei. Auf einer spielte er hauptsächlich, die zweite nahm er zur harmonischen Unterstützung dazu. Für das zweite Stück wechselte er sie. „Insgeheim“ handelte von heimlichen Wünschen und von Veränderungen. Um gleitende Tonentwicklungen zu erzeugen, drückte Reich beim Spiel mit dem Finger auf eine Handpan und erhielt somit die gewünschte Verwandlung in der Tonhöhe. Die Djembe kam noch dazu und so war es faszinierend zu sehen und zu hören, wie Markus Reich mit Leichtigkeit so viele Instrumente gleichzeitig spielte. Die charmanten Effekte kamen beim Publikum sehr gut an.

Das Duo CantAccordi nennt ja schon in seinem Namen die nun folgende Besetzung: Der Sänger Thomas Eufinger und die Akkordeonistin Petra Jehle begannen mit dem Auftritt Ollendorfs aus der Operette „Der Bettelstudent“ von Carl Millöcker. Thomas Eufinger erzählte, dass die Operette vorwiegend in einem Gefängnis in Krakau spielt und der aufgeblasene Gouverneur Ollendorf wütend ist, da er am Abend zuvor den Fächer der Comtesse ins Gesicht geschlagen bekommen hat, obwohl er „sie ja nur auf die Schulter geküsste“ hatte. Mit erst mal grimmigem Gesicht und unter Einbeziehung der gesamten Wendelinskapelle lief Eufinger dann mit sonorem, kräftigem Bass singend und szenisch gestaltend umher. Petra Jehle am Akkordeon begleitete ihn schwungvoll und punktgenau, auch wenn beide weit auseinander aber eben dennoch gemeinsam musizierten. Das Publikum sang oder schunkelte voller Freude mit. Mit „Try to remember“, als Einzelstück bekannt geworden durch Harry Belafonte, aber ursprünglich aus dem Musical „Fantasticks“ setzten die beiden Künstler einen wieder eher bedachtsamen Schlusspunkt in dem insgesamt zwischen Erregung, Spannung und Ruhe changierenden gelungenen Lehrerkonzert.